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Lesetips für den 4.11.03 (Marx: Deutsche Ideologie, Gothaer Programm)

Bemerkungen zur Kurzarbeit:
Sie stellen sich eine kleine Fragestellung, anhand derer Sie Ihr aus der Leküre gewonnenes Wissen anbringen können (z.B: Ist die Marx's Annahme einer... noch aktuell?). Dabei versuchen Sie, einen möglichst kohärenten und flüssigen Text zu produzieren. Natürlich können Sie nicht das gesamte Wissen eins zu eins wiederholen; Sie identifizieren die Aspekte, die Sie für besonders wichtig halten. Bringen Sie die Arbeit am Dienstag ausgedruckt ins Seminar mit.

Wichtige Begriffe:
Ideologie, Bewusstsein, Staat, Erziehung

Wiederholung:
Wir haben uns mit Marx' Wert- und Ausbeutungstheorie beschäftigt. Dazu möchte ich nochmals folgende Punkte betonen:

  • Marx geht von einer objektiven Werttheorie aus, das heißt der Wert (die durchschnittlich notwendige Arbeitskraft) ist schon im Produkt "drinnen", bevor es auf dem Markt einen bestimmten Preis erzielen kann.
  • Ausbeutung findet daher in der Produktion, nicht auf dem Markt statt.
  • Mehrwert wird nur vom Arbeiter, nicht von den Maschinen oder von den Rohstoffen geschaffen. Die Kosten, die Maschinen verursachen, gehen lediglich als Abschreibung bzw. Verschleiß in die produzierte Ware über.
  • Es kann gefragt werden, an welchen Stellen die Theorie heute neu überdacht werden muss:
  • Marx berücksichtigt die Rolle des Staates und der Sozialversicherungen nicht. Steuern müssten daher als eigene Form der Mehrwertabschöpfung in das Modell eingehen.
  • Auch der Finanzmarkt wird nicht theoretisiert. Können die Gewinne, die im Finanzsektor erzielt werden, eben auch auf die Realisierung von in diesem Sektor geschaffenen Mehrwert zurückgeführt werden?
  • Marx hat in der Regel materielle Produkte vor Augen. Doch könnte auch Werbung und Software als Produkte mit objektivem Wert aufgefasst werden, da auch sie von Arbeitern erzeugt werden müssen. Damit würde die Theorie unabhängig von der Art der hergestellten Produkte funktionieren.
  • Die heutigen Märkte sind weit weniger frei als zu Marx' Zeit. Es müsste also auch insbesondere reflektiert werden, wie monopolisierte oder regulierte Märkte funktionieren. Welche Umstände führen dazu, dass Märkte nicht wirklich frei sind?
  • Einordnung der Texte:
    In dem Text über die deutsche Ideologie wendet sich Marx gegen die "Junghegelianer" - gegen die linken Epigonen Hegels, die dessen im Grunde konservative Philosophie in ein kritisches Programm der Kritik gesellschaftlicher Ideologie, v.a. von Religion wenden. In dem Text über das Gothaer Programm kanzelt Marx seinen alten Gegner Lasalle ab, der bei der Verfassung des Programms Pate stand. Der Text ist sehr polemisch und insofern interessant, als er über einige später im Realsozialismus relevante Fragen (Rolle des Staats und von Erziehung) Aufschluss gibt.

    Leseziele:
    Reflektieren Sie das Marx'sche Problem von Basis und Überbau. Was sind die Probleme und die Stärken eines Ansatzes, der auf den Zusammenhang von gesellschaftlichem Sein und Bewusstsein abhebt?
    Versuchen Sie sich zu überlegen, welche politischen Konsequenzen sich aus dem Text über das Gothaer Programm ableiten lassen. Lässt er sich für ein leninistisches Gesellschaftsmodell nutzen?

    Weitere Arbeitsaufgaben
    Notieren Sie sich die Fragen, die offen geblieben sind und bringen Sie sie mit ins Seminar.